"Graf
Eberhard der V.": Einer der bekanntesten Söhne unserer Stadt,
der bekanntlich bei der Bevölkerung so beliebt war, daß
er "sein Haupt getrost (...) jedem Untertan in Schoß" legen
konnte, Gründer der Universität in Tübingen, gepriesen
als einer der besten deutschen Fürsten und glorreicher Wiedervereiniger
Württembergs, aber auch verschrien als einer, der seine Jugend
"leichtsinnig verlebte" und wie ein Chronist berichtet sich "der
Wollust hingegeben und Jungfrauen und Nonnen geschändet"
habe...
Es ist nicht die Aufgabe dieses Berichts, zu beurteilen, ob ein Mann, dem solch ein Ruf vorauseilt, der keine Fremdsprache beherrschte und ein bekannter Spieler war, wirklich ein Vorbild für die Jugend sein kann und soll. Jedenfalls ehrt auch Bad Urach seine wichtigsten Bürger und 1972 wurde unsere Schule, nach dem Umzug in unser heutiges Schulhaus, das mehr vom sachlichen Stil der 70er als von althergebrachten Traditonen geprägt ist, auf den ehrwürdigen Namen "Graf-Eberhard-Gymnasium" getauft.
Geboren wurde Graf Eberhard im Bart am 11. Dezember 1445 im Schloß in Urach als Sohn der Gräfin Mechthild, geborene Pfalzgräfin, und des Grafen Ludwig I. Sein Vater starb als der spätere Graf erst fünf Jahre alt war. Die Regierung übernahmen nach langem Streit schließlich ein Landhofmeister und vier Vormundschaftsräte. Weil sein sechs Jahre älterer Bruder Ludwig 1457 an Epilepsie starb, konnte Eberhard 1459, im Alter von 14 Jahren die Regierungsgeschäfte übernehmen.
1468 gönnte sich der junge Graf eine Weltreise: Mit einem Gefolge von vierzig Personen, Kaplänen, Adligen, Leibarzt, Trompetern, Köchen etc. pilgerte er nach Jerusalem. Von dieser Pilgerfahrt brachte er sein Wappen -die Palme- und seinen Wahlspruch "Attempto" mit.
Auch seine Heiratspläne führten den Grafen in die Ferne: Im Frühjahr 1474 heiratete er die Italienerin Barbara Gonzaga von Mantua. Der Chronist Andrea da Schivenoglia berichtet, daß Graf Eberhard "weder Italienisch noch Latein konnte, so daß man sich nur mittels eines Dolmetschers unterhalten konnte". Wen wundert es, daß diese Verbindung bei solchem Einvernehmen der Ehepartner kinderlos blieb.
Außenpolitisch
hatte Graf Eberhard mit der Wiedervereinigung des 1441/1442
geteilten Württemberg Erfolg. (Als nach dem zweiten Weltkrieg
das Land zwischen der französischen und der amerikanischen
Besatzungszone aufgeteilt wurde, war deshalb auch das Lied "der
reichste Fürst" plötzlich wieder sehr beliebt....)
1495 wurde er sogar zum Herzog von Württemberg ernannt.
Sieben Monate nach seiner Erhebung zum Herzog verstarb der Fürst
im Alter von 51 Jahren.
Noch heute wird in Urach zu festlichen Anlässen das Lied
vom "reichsten Fürsten" gesungen, das seine Beliebtheit
bei der Bevölkerung unterstreicht:
Preisend
mit viel schönen Reden
Ihrer Länder Wert und Zahl,
Saßen viele deutsche Fürsten
Einst zu Worms im Kaisersaal.
Herrlich,
sprach der Fürst von Sachsen,
Ist mein Land und seine Macht,
Silber hegen seine Berge
Wohl in manchem tiefen Schacht.
Seht mein
Land in üpp'ger Fülle,
Sprach der Kurfürst von dem Rhein,
Goldne Saaten in den Tälern,
Auf den Bergen edlen Wein!
Große
Städte, reiche Dörfer!
Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,
Schaffen, daß mein Land dem euren
Wohl nicht steht an Schätzen nach.
Eberhard,
der mit dem Barte,
Württembergs geliebter Herr,
Sprach: Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;
Doch ein
Kleinod hält's verborgen:--
Daß in Wäldern, noch so groß,
Ich mein Haupt kann kühnlich legen
Jedem Untertan in Schoß.
Und es
rief der Herr von Sachsen,
Der von Bayern, der vom Rhein:
Graf im Bart! Ihr seid der reichste
Euer Land trägt Edelstein!